Fachtexte im Fach Textillehre lesen

Die schleswig-holsteinischen BiSS-Schulen verwenden seit mehreren Jahren das Material aus dem Programm „Lesen macht stark“. Die Lesemappe wird im additiven Förderunterricht und im Regelunterricht eingesetzt. Im Rahmen von BiSS gehen die Schulen weitere Schritte bei der Implementierung der fachspezifischen Leseförderung.

Die hinter den Registern der Lesemappe stehenden Prinzipien werden verstärkt im Unterricht der Fächer erprobt. Im Rahmen von Hospitationsveranstaltungen besuchen sich die Fachkolleginnen und –kollegen des BiSS-Verbundes gegenseitig, zeigen Unterricht und tauschen sich über die Eignung der Ansätze für das eigene Fach aus. Die Maßnahmen werden zunächst in jahrgangsspezifische Praxisfahrpläne eingearbeitet und schließlich in die Fachcurricula aufgenommen.

 

Im Zentrum des Unterrichts steht jeweils der Fachtext, der in der Regel in drei Phasen (vor dem Lesen, während des Lesens, nach dem Lesen) bearbeitet wird.

In den Unterrichtsvorbereitungen werden die durch Puzzleteile angedeuteten Aspekte mit unterschiedlicher Gewichtung berücksichtigt. Hier einige Beispiele:

 

Vor dem Lesen

 

Wortschatzarbeit:

  • Ermittlung des Vorwissens durch die Lesestrategie „Vorwissen aktivieren“
  • Arbeit mit dem (Fach)-Wortschatz vor dem Lesen
  • Erarbeitung von Operatoren
  • Entlastung des Verstehenswortschatzes

 

 

Leseinteresse

  • Nutzen des persönlichen Themeninteresses und gendersensible Textauswahl

 

Während des Lesens

 

  • Allgemeine und fachspezifische Lesestrategien: Arbeit mit  Lesestrategiestreifen und Aufgaben
  • Freie Wahl: allein still lesen oder lautes Vorlesen mit einer Partnerin oder einem Partner
  • Bereitstellen des Mitteilungswortschatzes: Wortschatzgeländer
  • Satzschalttafeln inklusive Mitteilungswortschatz für die Partizipation im Rahmen der Anschlusskommunikation

 

 

NZL_2012_Lesestreifen Textillehre.pdf (307,4 KiB)

NZL_2012_Lesestreifen Textillehre.doc (54,5 KiB)

 

Die Auswahl zeigt, dass die Lehrpersonen sich mit der Realisierung eines der hervorgehobenen Aufgabenfelder der 2014 erschienen schleswig-holsteinischen Fachanforderungen aller Fächer befassen:

 

"Durchgängige Sprachbildung: Die Vermittlung schul- und bildungsrelevanter sprachlicher Fähigkeiten (Bildungssprache) erfolgt im Unterricht aller Fächer. Das Ziel ist, die sprachlichen Fähigkeiten der Kinder und Jugendlichen mit und ohne Migrationshintergrund, unabhängig von ihrer Erstsprache, im Schriftlichen wie im Mündlichen systematisch auf– und auszubauen. Das setzt einen entsprechenden Wortschatz und die Kenntnis bildungssprachlicher grammatischer Strukturen voraus. Die Lehrkräfte planen und gestalten den Unterricht mit Blick auf die Sprachebene Bildungssprache und stellen die Verbindung von Alltags-, Bildungs- und Fachsprache explizit her. Alle Schülerinnen und Schüler werden an die Besonderheiten von Fachsprachen und an fachspezifische Textsorten herangeführt. Deshalb ist Fachunterricht auch stets Sprachunterricht auf bildungs- und fachsprachlichem Niveau." Quelle: Ministerium für Bildung und Wissenschaft des Landes Schleswig-Holstein (2014): Fachanforderung Mathematik.

 

Zielgruppe der Maßnahmen sind alle Schülerinnen und Schüler, ein besonderes Augenmerk richten die Lehrpersonen jedoch auf die Diagnostik und Förderung der Schülerinnen und Schüler mit besonderem Unterstützungsbedarf.

 

Vom Verstehen bis zur Anschlusskommunikation: Wortschatzgeländer und Satzschalttafeln

Im Rahmen ihrer Unterrichtsvorbereitungen unterscheiden die Lehrpersonen in der (fachspezifischen) Wortschatzarbeit zwischen dem rezeptiven Wortschatz (Verstehenswortschatz, der erforderlich ist für das Verstehen mündlicher und schriftlicher Texte) und dem produktiven Wortschatz (Mitteilungswortschatz, der erforderlich ist für Sprechen und Schreiben).

 

Welche Rolle spielt der Verstehenswortschatz?

Am Beispiel von Klassenarbeiten wird deutlich, dass der Verstehenswortschatz zwar nötig zum Lösen vieler Aufgaben ist, nicht jedes Wort muss jedoch in den Mitteilungswortschatz übergehen und aktiv geübt werden.

 

Wie wird der Lernwortschatz ermittelt?

Damit eine aktive Teilhabe am Sprechen und Schreiben im Fach möglich wird, wird der dafür erforderliche Wortschatz  im Fach aktiv trainiert. Dieses Training erfolgt schwerpunktmäßig mit Blick auf den Mitteilungswortschatz. Mit dem Ziel, diesen produktiven Wortschatz zu erweitern, sodass er aktiv verwendet werden kann, ermittelt die Lehrperson zunächst im Rahmen ihrer Unterrichtsvorbereitung:

 

Was soll der Schüler oder die Schülerin auf der Basis eines ausgewählten Textes (oder der gesamten Einheit) sagen oder schreiben können?

Die Formulierungserwartung der Lehrperson in Beurteilungssituationen (z.B. Tests) wird bewusst vorweggenommen. Auf der Basis dieser Formulierungen werden Übungen für die Wortschatzarbeit entwickelt.