Praxistipp "Wir sind dabei"

Rap-Wettbewerb – wir sind dabei!

 

Praxistipp von Ulrike Rohr

 

NEUGIERDE, REIME, ZWEIFEL, STOLZ, AUSDAUER, PROBEN, REISEN ...

 

... das sind die ersten Wörter, die mir einfallen, wenn ich über unsere Teilnahme am ersten NZL-Rap-Wettbewerb im Jahr 2008 nachdenke. Ich startete dieses Projekt in meinen NZL-Förderstunden mit vier Klassen. Von diesen 65 Schülerinnen und Schülern haben ca. 60 Schüler tatsächlich bis zur CD-Aufnahme durchgehalten, und dies hatte mehrere Gründe:

 

Das Thema RAP besitzt für die Schüler einen hohen Aufforderungscharakter, weil es ein Teil ihrer Lebenswelt ist. Zudem war die Vorstellung von einer eigenen CD-Aufnahme und einer möglichen Aufführung in Kiel sehr verlockend. Aber auch das Abweichen vom normalen Schulalltag – die Proben, die Fahrt zum RAP-Workshop, Auftrittsbuchungen zur Abschluss- und auch Einschulungsfeier – war eine willkommene Abwechslung.

 

Wir haben unserer Ziel erreicht, weil wir Unterstützung von Kollegen und der Schulleitung bekommen habe, weil meine Hauptschüler sich und ihren Mitmenschen beweisen konnten, was in ihnen steckt, weil die Schüler über Klassengrenzen hinweg für ein gemeinsames Ziel ausdauernd gekämpft haben und weil wir Anerkennung erhielten.

 

Im Folgenden möchte ich die einzelnen Schritte skizzieren, die wir bis zu unserem fertigen Rap gegangen sind.

 

Mein Tipp: Kleine Ziele in kleinen Schritten haben große Wirkungen. 

 

Vorüberlegungen

 

1. Festlegung der Gruppe und des zeitlichen Rahmens

 

Entscheiden Sie nach Ihren und den schulischen Ressourcen die Gruppengröße, die Gruppenzusammensetzung, die Inanspruchnahme der kollegialen Hilfe sowie die zeitlichen Voraussetzungen:

 

Beziehen Sie die gesamte Klasse oder nur die Schüler aus der NZL-Förderstunde mit ein?

Erfolgt die Umsetzung mit Ihrer Unterstützung im Unterricht oder stehen Sie nur als pädagogische Ansprech- und Hilfsperson zur Verfügung?

Startet die Parallelklasse auch mit dem Projekt, kann mich die Englischlehrerin oder der Musiklehrer meiner Klasse unterstützen, gibt es helfende Eltern?

 

2. Entwicklung und Festlegung des Themas

 

  • Das übergeordnete Thema wird vom Wettbewerbsausschuss vorgegeben, was Sie daraus machen, liegt in Ihrer und in der Hand der Schüler.
  • Berücksichtigen Sie verwandte Themen.
  • Beschaffen Sie ausreichendes Hintergrundwissen für die Schüler zum Thema (Bilder, Internet).
  • Schreiten Sie vom thematisch Naheliegenden zum Entfernteren. Schaffen Sie einen emotionalen Bezug zwischen dem Thema und Ihren Schülern.  

 

3. Musikalische Umsetzung

 

Welche musikalischen Ressourcen haben Sie, Ihre Schüler, Ihre Kollegen? Für mich als Nicht-Musiklehrerin war dies die größte Hürde. Wie komme ich an die musikalische „Untermalung“. Wir haben unsere Beats mit klassischen Instrumenten selbst gespielt, dazu gerappt und einen melodiösen Refrain zum Singen entwickelt.

 

  • Sie erstellen die Musik am Computer o.Ä. selbst.
  • Sie kennen Schüler, die Beats entwickeln.
  • Sie haben hilfreiche Musiklehrer an Ihrer Schule, die Ihnen zur Seite stehen.
  • Sie laden einen Beat im Internet herunter (www.soundclick.com  www.youtube.com  itunes etc.). Achtung, das Herunterladen ist nicht überall kostenlos!

 

4. Präsentation

 

Üben, üben, üben!

Welcher Fachkollege gibt Ihnen seine Stunde für eine Probe?Wer finanziert die Fahrten?Wer hört sich den Rap an und gibt eine konstruktive Rückmeldung?Wer begleitet Sie ins „Tonstudio“ oder nach Kiel?Können die Schüler alle den Text auswendig?  

 

 

 

 

Praktische Durchführung

 

 

Einstimmung auf das Thema

  • Ich habe den Schülern ein Bild zum Thema gezeigt (Arbeitsauftrag 1).
  • In einem Brainstorming schrieben die Schüler Begriffe zum Thema auf. Diese Begriffe hingen während der gesamten Textentwicklungsphase im Klassenraum, so dass sie immer wieder genutzt werden konnten.
  • Gemeinsam entwickelten wir nun Fragen zum Thema (Arbeitsauftrag 2). Diese Fragen schrieb jeder Schüler auf ein Blatt Papier. Anschließend liefen die Schüler durch die Klasse und versuchten, in einem Interview möglichst viele Antworten zu erhalten.

 

Varianten:–  Themenkollagen/Mindmap–  Zitatenpuzzle–  Kiste mit Gegenstände/Begriffen zum Thema–  Phantasiereisen–  Internet, Museen etc.

 

 

 

 

Textentwicklung 

  • Die Schüler schrieben an einen Freund einen Brief zum Thema (Arbeitsauftrag 3). Zur Unterstützung bot ich ihnen Hilfskarten mit Fragen zum Thema an.
  • Immer zwei Schüler tauschten die Briefe aus und unterstrichen die zwei Sätze, die am besten gelungen waren. Anschließend konnten Schüler ihre Briefe der Klasse vorlesen. Weitere schöne Sätze wurden hervorgehoben. Diese Sätze bildeten die Grundlage für den Raptext, zu dem folglich jeder Schüler etwas beigetragen hat.
  • Danach ging es ans Reimesuchen (Arbeitsauftrag 4): Die Wörter aus dem Brainstorming schrieb ich auf kleine Karten. Jeder Schüler erhielt ca. 2 Karten und hatte nun die Aufgabe, zu den Wörtern mit Hilfe von Reimlisten und Reimlexika zum Thema passende Reime zu finden. Die Wörter wurden in eine Liste geschrieben, die in der Klasse aufgehängt und von den Klassenkameraden ergänzt wurden. Auch diese Liste diente während der Textentwicklung als Hilfsmittel.

 

  

 

Verbindung von Text und Beat

  • Während der gesamten Einheit übte ich immer wieder mit den Schülern, ein Gefühl für Takt und Rhythmus zu entwickeln. Wir liefen klatschend durch die Klasse, trommelten auf die Tische mal mit den Fingerspitzen, mal mit den Fäusten oder wir verwendeten Trommeln und andere Rhythmikinstrumente.
  • Die Schüler mussten ihre entwickelten Textbausteine zum Rap kombinieren (Arbeitsauftrag 5): Die schönsten Sätze wurden nun von den Schülern nach zwei Kriterien umgearbeitet: Erstens sollten sich die Sätze reimen, zweitens mussten die Sätze dem Beat des Raps angepasst werden. In der Regel hat ein Rap einen 4/4 -Takt. Die betonten Schläge sind der 2. und der 4. Schlag. Ich habe für die Schüler einen Zettel vorbereitet, auf dem über jedem Schlag zwei Linien waren, auf die sie passende Wörter und Silben schreiben konnten. Auf diesem Wege schafften sie es (mit meiner Hilfe), den Text an den Takt zu binden (Arbeitsauftrag 6).
  • Den Refrain habe zunächst ich aus Textbausteinen der Schüler entwickelt und anschließend mit ihnen gemeinsam überarbeitet.

 

 

 

Präsentation

 

 

  • Bis zur endgültigen Aufnahme mussten wir viele, viele Male üben, den fertigen Text passend zum Lied zu rappen. Der Vortrag sollte ja jedes Mal auf die gleiche Weise erfolgen und nicht einmal schneller oder langsamer. Außerdem mussten wir es schaffen, dass 60 Schüler immer dieselben Silben betonen. Meine Kollegen und die nicht beteiligten Nachbarklassen zeigten während dieser Zeit viel Geduld, so dass wir nach ca. 2 Monaten stolz unsere Aufnahme in den Händen hielten, die wir schnell nach Kiel ins IQSH schickten.
  • Die Fahrt mit 60 Schülern nach Bad Oldesloe ins „Tonstudio“ strapazierte meine Nerven allerdings so sehr, so dass ich mich entschied, zum Rap-Festival auf der Krusenkoppel nur mit jeweils zwei Schülern aus jeder Klasse zu erscheinen. Insgesamt waren wir trotzdem alle sehr stolz auf unser Werk und konnten es noch einige Male auf schulischen und örtlichen Veranstaltungen vortragen. 

 

Literaturtipps

 

Samy Deluxe “Dis wo ich herkomm” (2009), Rohwohlt Taschenbuch Verlag, ISBN 978-3-499-62542-8

Ulrike Rohr (2010): “Dis wo ich herkomm  - Ein Literaturprojekt zu Samy Deluxe” Klasse 7-10

Verlag an der Ruhr, ISBN 978-3-8346-0739-3

Die im Verlag an der Ruhr erschienenden Materialien zum Projekt "Dis wo ich herkomm" erhalten Sie im Rohr Verlag: www.rohr-verlag.de