Projektkonzept

Projektkonzept

1. Ausgangssituation

Der Umgang mit besonderen Schwierigkeiten beim Lesen- und Schreibenlernen ist in den vergangenen Jahren nicht zuletzt als Folge der Diskussion nach PISA in den Fokus der fachdidaktischen Diskussion gerückt.

Um Kinder möglichst individuell in ihren Stärken zu fördern, Schwierigkeiten entgegenzuwirken, für alle Kinder passende Lernangebote zu gestalten und Eltern sinnvoll zu beraten, ist eine gezielte pädagogische Diagnostik notwendig.

Auch vor dem Hintergrund des deutlich gestiegenen Anteils der Schülerinnen und Schüler nichtdeutscher Herkunftssprache und der vergrößerten Heterogenität in den Grundschulklassen positioniert sich Lesen macht stark - Grundschule als lehrwerkunabhängiges Diagnose- und Förderwerkzeug für die Eingangsphase, das den präventiven Umgang mit Schwierigkeiten im Schriftspracherwerb in den Mittelpunkt stellt. Es soll Lehrkräfte dabei unterstützen, die Entwicklungsverläufe aller Kinder in ausgewählten Fachbereichen zu erkennen und sie gezielt zu fördern. Die Erweiterung der Sprachhandlungskompetenz im Anschluss an den basalen Schriftspracherwerb, der Ausbau von Automatisierungsprozessen und die Fortschritte bei Einsichten in schriftsprachliche Zusammenhänge stehen dabei im Mittelpunkt.

 

 

2. Projektzielsetzung

Das Kernziel des Projektes besteht in der Förderung der schriftsprachlichen Kompetenzen von Schülerinnen und Schülern mit ungünstigen Eingangsvoraussetzungen zur Prävention von dauerhaften Schwierigkeiten beim Lesen- und Schreibenlernen.

Zur prozessbegleitenden Diagnostik erhalten die Lehrkräfte ein Werkzeug, das unabhängig von Lehrwerk und schulspezifischem Fachcurriculum eingesetzt werden kann. Die Auseinandersetzung mit diesem Werkzeug und die Reflexion des unterrichtlichen Einsatzes erfolgen in regionalen Fortbildungsveranstaltungen.

Das Werkzeug ermöglicht der Lehrkraft eine prozessbegleitende Diagnose, die in den Unterrichtsalltag eingebunden werden kann. Übungsformate zur Förderung aller Lernenden und Tipps zur Gestaltung von Unterricht und Lernumgebung werden im Lehrermaterial bereit gestellt, so dass ein gemeinsamer Unterricht mit diesen Anregungen möglich ist. Die Lernentwicklung wird innerhalb des Materials dokumentiert und kann auch für die Elternarbeit, zur Vorbereitung von Bewertungssituationen und für die gemeinsame Förderplanung mit Fachkräften genutzt werden.

Das Konzept umfasst alle 4 Schuljahre und nimmt ab Klassenstufe 3 zusätzlich folgende Ziele in den Blick:

  • Schülerinnen und Schüler, die im Übergang vom basalen Schriftspracherwerb zu komplexeren schriftsprachlichen Handlungsprozessen Schwierigkeiten haben, zu erkennen
  • das Ableiten individueller Förderung, basierend auf diagnostischen Erkenntnissen

Das Material basiert auf einem wissenschaftlich fundierten Konzept und wird sorgfältig pilotiert. Es kann unabhängig von Lehrwerk und schulspezifischem Fachcurriculum eingesetzt werden.

 

3. Organisatorische Ausgestaltung

Der Einsatz des Materials erfolgt in zwei Stufen:

a) Zu festgelegten Zeitpunkten werden Klassenaufgaben von allen Schülerinnen und Schülern im Schülerheft schriftlich bearbeitet. Diese Klassenaufgaben (KA) ermöglichen ein arbeitsökonomisches Screening. Es gibt 4 festgelegte Durchführungszeiträume im ersten Schuljahr und 3 Durchführungszeiträume im zweiten Schuljahr, die als „Meilensteine“ bezeichnet werden. Analog hierzu gibt es 3 Meilensteine im 3. Schuljahr und 2 Meilensteine im 4. Schuljahr. Diese insgesamt 12 Meilensteine überprüfen, was Schülerinnen und Schüler zu einem bestimmten Zeitpunkt im Schuljahr können. Hierbei kann die Lehrkraft bereits einige Beobachtungen zum Lösungsprozess machen. Die Schülerprodukte und die Beobachtungen in der gesamten Überprüfungseinheit führen zur Auswahl einer Kleingruppe, die besonderen Unterstützungsbedarf benötigt. Für alle Lernenden wird der Lernerfolg dokumentiert.

b) Werden Schwierigkeiten bei den Klassenaufgaben festgestellt, bearbeitet die Lehrkraft mit dem einzelnen Kind/den Kindern die entsprechende(n) Einzelaufgabe(n) im Schülerheft mit spezifischen Beobachtungshinweisen, die den diagnostischen Blick und die Interventionsmöglichkeiten der Lehrkräfte erweitern.

Darüber hinaus kommentiert das Lehrerheft die ausgewählten Aufgaben und liefert neben den Durchführungshinweisen für die Aufgaben auch umfassende Förderhinweise und Übungsmöglichkeiten, die dem Kind in den entsprechenden Teilbereichen zur Verfügung gestellt werden können.

Einige Aufgaben werden in den Meilensteinen wiederholt eingesetzt, z.B. Wort-Bild-Zuordnungen oder lautgetreues Schreiben von Wörtern. Diese „Ankeraufgaben“ ermöglichen es der Lehrkraft, den kontinuierlichen Lernfortschritt des einzelnen Kindes genau zu beobachten und zu unterstützen.

Dieses Prinzip der prozessbegleitenden Diagnostik bleibt durchgängige Praxis im gesamten Material.