Teil 1: Wie erkenne ich die "Risikoschüler" ?

 

Mit dem Begriff „Risikoschüler“ bezeichnet das deutsche PISA-Konsortium die Gruppe der Schüler und Schülerinnen, deren Lesekompetenz auf oder unter der Kompetenzstufe I liegt. Als „potentielle“ Risikoschüler gelten auch diejenigen, die der Kompetenzstufe II zugeordnet werden. Die Verwendung des Begriffs „Risikoschüler“ birgt das Problem einer Stigmatisierung dieser Schülerinnen und Schüler, die hier nicht gemeint ist.

 

Warum ist es wichtig, diese Schülergruppe zu ermitteln?

 

Die frühzeitige Ermittlung der Schülerinnen und Schüler mit erhöhtem Unterstützungsbedarf macht die Planung und den Einsatz durchgängiger unterstützender Maßnahmen möglich.

 

Um was geht es bei der Erfassung der Risikoschüler?

 

Der erste Teil des Diagnostikfahrplans regt zu einem ersten Erfassen der Gruppe mit erhöhtem Unterstützungsbedarf an. Es handelt sich dabei um eine grobe, jederzeit korrigierbare Ersteinschätzung. Möglicherweise bildet diese Erfassung des Schülers oder der Schülerin die Grundlage zur gezielten durchgängigen Begleitung durch die gesamte Schullaufbahn und die Basis für die langfristige Unterstützung bei der Entwicklung individueller Potentiale.

In anderen Fällen wird die Wahrnehmung durch weitere diagnostische Schritte korrigiert oder der Schüler oder die Schülerin wird aufgrund einer positiven Entwicklung nicht mehr in der Gruppe der so genannten  „Risikoschüler“ geführt. Entwicklungsbedingt kann es ggf. auch in höheren Klassenstufen zu einer Vergrößerung oder einer Verringerung der ermittelten Zahl der „Risikoschüler“ kommen. Die Ergebnisse haben also keine dauerhafte Gültigkeit.

Die frühzeitige Ermittlung der Schülerinnen und Schüler mit erhöhtem Unterstützungsbedarf macht die Planung und den Einsatz durchgängiger unterstützender Maßnahmen möglich.

 

Wie funktioniert die erste Bestandsaufnahme?

Eine erste Bestandsaufnahme erfolgt in der ersten Unterrichtsstunde, bzw. innerhalb der ersten Unterrichtswochen der fünften Klassenstufe und liegt spätestens bis zu den Herbstferien vor. Sie lässt sich in Einführungs- und Kennlernphasen einbinden. Sprachstandserhebungen werden zur Ersteinschätzung hinzugezogen.   Die Ermittlung wird (in der Regel) durch die Schulleitung angeregt. Der Schulleiter oder die Schulleiterin ist für die Steuerung der Prozesse verantwortlich, die regelmäßige Rücksprachen mit Klassenlehrerinnen und Klassenlehrern beinhaltet und der Unterstützung der Förderprozesse dient.Die Bestandsaufnahme in der einzelnen Klasse erfolgt durch die Deutschlehrkraft, die ggf. Einschätzungen weiterer Lehrpersonen hinzuzieht. Die Bestandsaufnahme wird halbjährlich aktualisiert. Die Lehrperson erfasst die Entwicklungen kontinuierlich.  Weder die beobachtbare Haltung einer leise lesenden Person noch das hörbare laute Vorlesen lassen Rückschlüsse zu, ob das Gelesene verstanden wurde, ob dem Text der Sinn entnommen wurde. Damit eine einfache Verstehensebene feststellbar wird, sind weitere Beobachtungsschritte nötig. Sinnentnahme zeigt sich in der Anschlusskommunikation, z.B.

 

  • im Gespräch über das Gelesene
  • bei der Bearbeitung schriftlicher Aufgabenformate.

Schriftliche Aufgabenformate fokussieren auf den zu überprüfenden Teilbereich. Um ein einfaches Textverständnis auf Pisakompetenzstufe I zu ermitteln, eignet sich der Einsatz folgender Aufgabenformate:

 

  • Multiple-Choice-Aufgaben
  • Richtig-Falsch-Aufgaben
  • Zuordnungsaufgaben
  • Kurzantwort-Aufgaben.

Als Unterstützungsinstrument kann zu diesem Zweck der Test in der Anlage herangezogen werden. Es kann jedoch auch jeder andere Text, der in den aktuellen Unterrichtszusammenhang passt, verwendet werden. Eine Kombination mit Elementen der Anschlusskommunikation rundet das Bild ab.  Welche Beobachtungen dienen einer Ersteinschätzung?Die Klasse erhält den Auftrag, leise (stimmlos) zu lesen. Möglicherweise dauert es bis zu 10 Minuten, bis die Klasse zur Ruhe kommt.

Bald wird deutlich, dass viele mit den Augen beim Text angekommen sind. Vermehrten Unterstützungsbedarf oder Beratungsbedarf benötigen in der Regel Schülerinnen und Schüler,

 

  • die in der gesamten Stunde nicht mit den Augen beim Text ankommen.
  • die sich mit unterrichtsfremden Gegenständen und Handlungen beschäftigen.
  • deren (verängstigte, aggressive, alberne, lustlose, genervte) Reaktionen auf die Lesesituation, bzw. auf die direkte Aufforderung, mit dem Lesen zu beginnen, mögliche versteckte Schwierigkeiten zum Ausdruck bringen, deren Ursache erforscht werden will.
  • die keinen Mut haben, ihre Brille im Unterricht zu tragen.
  • die unter Zeitdruck schnell aufgeben.

 

Hinweise zu den NZL-Tests

 

Bei den hier aufgeführten NZL-Tests handelt es sich um nicht standardisierte Vergleichsarbeiten und nicht um einen standardisierten NZL-Test.

 

Projektmanagementordner - Kapitel 5 - Diagnostik

Im Projektmanagementordner finden Sie in Kapitel 5 ausführliche Informationen zum dreiteiligen NZL-Diagnostikfahrplan.  Ab S. 9 finden Sie hier den Lesetest zur Erfassung der Risikoschüler und Risikoschülerinnen.