Die Schülerbücherei als Element der Leseförderung

 

Ein Beitrag von Martin Sobanski, Berater für Schülerbüchereien in NZL

Wer sich mit dem Thema Leseförderung beschäftigt, merkt schnell, dass es hierbei zentral um die Lesemotivation geht.

 

Leseschwache Schüler/innen sind in der Regel wenig motiviert , längere Texte zu lesen: Lesen ist für sie sehr anstrengend , das Medium Buch ist bei  vielen negativ besetzt, nicht zuletzt deshalb, weil sie Bücher als selbstverständlichen Teil der häuslichen Kultur nicht kennen, sondern sie nur als Schulbuch wahrnehmen, das heißt mit Zwang zum Lesen und mit Notendruck. Wie ist die Lesemotivation soweit zu fördern, dass zumindest die „zweite literarische Initiation“ gelingt, also die Phase während und vor allem auch direkt nach der Pubertät, in der sich Lesertypen und Leseinteressen ausdifferenzieren und die zumeist die letzte Phase darstellt, in der ein junger Mensch für das Lesen zu gewinnen ist?

 

 

 

Diese Zielgruppe muss behutsam zum Buch geführt werden. Das selbst gesteuerte Erlesen von Texten, die in der Lesemappe abgelegt werden, führt zu ersten Leseerfolgen und damit wächst das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten. Handelt es sich um einen in kleine Portionen unterteilten Text aus dem Materialordner oder um eine Ganzschrift, immer spielen die Prinzipien der Individualisierung und der Selbststeuerung des Leseprozesses eine Rolle. Grundlage ist die Ermittlung des individuellen Themeninteresses, die durch den Lesewunschzettel im Materialordner und durch visuelle Impulse, die das Leseinteresse wecken, unterstützt wird. Der Leser wählt aus einem Angebot attraktiver Bücher frei „sein“ Buch, ein Buch, das ihn interessiert und nicht überfordert. Die Schülerbücherei ist für diesen Prozess genau der richtige Ort, hier befinden sich idealerweise viele ansprechende Bücher in einem gemütlichen Raum, der schon auf den ersten Blick so ganz anders aussieht als die schultypischen Klassenzimmer und Fachräume: Hell, farbenfroh mit ansprechenden Bildern an der Wand und mit einem Mobiliar , das zum Verweilen und Schmökern einlädt. Hier gibt es nette Leute, die ihn auch gut beraten können und die er vielleicht auch schon gut kennt, weil es nämlich Schüler seiner Schule sind, die dort die Ausleihe betreiben. Schön wäre es auch, wenn dieser Leser die Schülerbücherei schon kennen würde, da auch die Arbeit mit der NZL- Mappe dort stattfindet.

 

Ganz wichtig ist die räumliche Nähe zum Schulbetrieb. Ein schwacher Leser sucht eher selten eine Bücherei auf. Selbst wenn diese nur ein kleines Stück von der Schule entfernt ist, sind Schwellenängste zu überwinden. Nur wenn die Bücherei tatsächlich einen Teil seines Schulalltags darstellt, verringert sich die Distanz auch mental und emotional so sehr, dass letztendlich keine Hemmschwellen mehr zu überwinden sind und der Gang in die Schülerbücherei etwas ganz Normales ist. Dazu tragen natürlich auch die Lehrkräfte bei; ihnen obliegt es, die Schülerbücherei immer wieder in ihren Unterricht mit einzubinden: Ein erster gemeinsamer Besuch mit der ganzen Klasse, Material für eine Buchvorstellung, immer wieder kleine Rechercheaufträge und warum nicht auch einmal eine Lesenacht dort? Ein Ort, der in dieser Weise positiv besetzt ist, hat durchaus das Potenzial, eine positive Grundeinstellung zum Buch und zum Lesen zu bewirken. Wenn dieser Punkt bei einem ehemals schwachen Leser erreicht wird, haben sich alle Mühen gelohnt.

 

Anregungen zur Gestaltung Ihrer Leseecke finden Sie im Projektmanagementordner.

 

 

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 Lesen macht stark - Projektmanagementordner