Materialien
Hier finden Lehrkräfte, die nach dem Unterrichtskonzept "Lesen macht stark" die basale Kompetenz Lesen ihrer Schülerinnen und Schüler fördern, ergänzende und in der Praxis erprobte Materialien und Zusatzinformationen.
Besonders froh sind wir über die Veröffentlichung der Hefte "Mein Trainingsheft 5/6" und "Mein Trainingsheft 7/8", in dem Lesestrategien Schritt für Schritt anhand interessanter Texte vieler Wissensgebiete eingeführt werden. Diese Hefte können jedes Jahr im Mai von Schulen bestellt werden - käuflich sind sie leider nicht zu erwerben.
Lautes Lesen im Fachunterricht - Methoden
Beim Vorlesen und Zuhören liest die Lehrkraft als Lesevorbild betont und flüssig vor, während die Schülerinnen und Schüler gemeinsam zuhören. Dadurch entsteht ein Lesemodell für Prosodie, Betonung und angemessenes Lesetempo. Gleichzeitig wird eine positiv aufgeladene Lesesituation aufgebaut, die die Lesemotivation stärkt und zur Lesesozialisation beiträgt.
Beim Vorlesen und Mitlesen bzw. Chorlesen erfolgt ein angeleitetes gleichzeitiges Lesen. Je nach Lesefähigkeit lesen die Lernenden stumm, halblaut oder chorisch mit. Sie orientieren sich dabei am Lesemodell der Lehrkraft, was insbesondere schwächere Leserinnen und Leser entlastet. Gemeinsames Zählen zum Start und das Mitführen des Fingers im Text unterstützen die Orientierung, auch beim Lesen von Ganzschriften. Nach der Lesezeit werden die Bücher wieder eingesammelt. Diese Vorgehensweise fördert Chancengleichheit, verhindert Spoiler durch starke Lesende und etabliert das Leseband als „besonderen“ Ort. Überforderung wird vermieden, positive Bestärkung steht im Vordergrund und die Motivation bleibt erhalten. Variationen mit Audios, Hörbüchern sowie Partner- und Kleingruppenarbeit erweitern die Methode.
Beim Vorlesetheater, Theaterlesen oder dialogischen Lesen werden unterschiedliche Textsorten wie Gedichte, Sketche, längere Witze, Lieder, Rap-Texte oder Abschnitte aus Sachtexten genutzt. Die wörtliche Rede unter den Gruppenmitgliedern aufgeteilt. Auch Teile oder Kapitel aus Ganzschriften können ausgewählt werden. Die Lernenden lesen die Rolle einer literarischen Figur, eine Strophe oder einen Abschnitt. Diese Methode verbindet Lautlesen mit Wiederholung und hilft, feste Übungsroutinen zu entwickeln.
Das Tandemlesen bzw. Partnerlesen ist eine kooperative Leseroutine, die auf Wiederholung und Begleitung basiert. In Phase eins lesen die Partner synchron, in Phase zwei folgt eine gezielte Verbesserungsroutine, und in Phase drei lesen die Schülerinnen und Schüler allein. Eine Variante besteht darin, dass zwei Lernende abwechselnd laut vorlesen, wobei freie Partnerwahl die Motivation steigert.
Beim Ich-Du-Wir-Würfel oder dem digitalen Ich-Du-Wir-Glücksrad wird Lesen spielerisch organisiert und folgt ebenfalls dem Prinzip des wiederholten Lautlesens. In Vierergruppen werden Texte genutzt, die in vier bis sechs etwa gleich große Abschnitte gegliedert sind. Ein spezieller Würfel oder ein Glücksrad entscheidet, wer liest: Bei „Ich“ liest das würfelnde Kind halblaut vor, bei „Du“ bestimmt es eine andere Person als Vorleserin oder Vorleser, und bei „Wir“ liest die gesamte Gruppe chorisch.
Beim Rückwärtslesen wird ein Text Wort für Wort von hinten nach vorne laut gelesen. Die Schülerinnen und Schüler wechseln sich dabei ab, wobei die Wiederholung im Vordergrund steht.
Unter Mit anderen lesen werden Texte in Sinnabschnitte zerschnitten. Jedes Gruppenmitglied liest zunächst einen Abschnitt leise, anschließend laut. Danach sortieren die Lernenden den Text gemeinsam und einigen sich auf eine sinnvolle Reihenfolge.
Das Karma-Lesen findet im Plenum statt, ohne Meldungen. Eine Freiwillige oder ein Freiwilliger startet mit dem Lesen und hört nach einigen Zeilen auf. Eine andere Schülerin oder ein Schüler springt nun ein und liest beliebig lange weiter. Wenn mehrere Schülerinnen und Schüler gleichzeitig zu lesen beginnen, tritt eine Person zurück. Jede und jeder entscheidet selbst über den Umfang des eigenen Leseanteils. Wichtig ist dabei die Freiwilligkeit: Es gibt keinen Zwang und eine moderierende Person kann auch abbrechen oder wertschätzend „Danke“ sagen, wenn jemand zu lange liest.
Beim stummen Lesegespräch (Reading Conferences) lesen zwei Lernende denselben Text. Zwischen ihnen liegt ein Blatt Papier. Wenn eine Frage zum Text entsteht, wird sie schriftlich notiert, und die Partnerin oder der Partner beantwortet sie ebenfalls schriftlich.
Das Lesegespräch beschreibt kurze, wertschätzende Eins-zu-eins-Gespräche zwischen Lehrkraft und Schülerin oder Schüler über das Gelesene. Leitfragen können sein: „Was hast du gelesen?“, „Was war neu oder interessant?“, „Was war schwierig?“ oder „Was hast du gelernt?“.
Beim Shared Reading bzw. Big Book lesen Lehrkraft und Lernende gemeinsam einen Text, der zum Beispiel groß projiziert oder als Big Book präsentiert wird. Der Fokus liegt auf Lesestrategien, Wortschatz und Sprachrhythmus. Die Lehrkraft modelliert ihr Vorgehen, indem sie laut denkt, Fragen stellt und Strategien sichtbar macht, ähnlich dem geführten Lesen.
Auch beim Modelling liest die Lehrkraft vor und denkt dabei laut. Sie unterstütz die Orientierung im Text ("Ah! Hier ist die Überschrift. Was hat denn das Bild mit dem Text zu tun? Hier endet der Absatz.) erklärt Fachbegriffe, gibt Verständnishilfen und führt gezielt Lesestrategien ein.
Lesespurgeschichten und Mathegeschichten verbinden Lesen mit forschendem Lernen. Diese Lese-Forschungs-Geschichten kombinieren Texte mit Forschungsaufträgen zu unterschiedlichen Themen und funktionieren wie eine „Schnitzeljagd im Klassenzimmer“. Ziel ist es, die einzelnen Textabschnitte in die richtige Reihenfolge zu bringen und so die korrekte Lesespur zu finden.
Lesestrategien
Was sind Lesestrategien?
Der in dem Projekt "Niemanden zurücklassen - Lesen macht stark" verwendete Lesestrategie-Begriff bezieht sich auf äußere und innere Vorgänge, die zu einer Abfolge von äußerlich sichtbaren Tätigkeiten und Entscheidungen führen und somit Kriterien/Belege für Lesekompetenz sind.
Dazu gehört ein bewusster oder bewusst zu machender Umgang mit jedem Faktor, der für den eigenen erfolgreichen Leseprozess eine Rolle spielt. Kompetentes Lesen erfordert vielfältige Lesestrategien.
Lesestrategien werden systematisch erworben und individuell genutzt. Der Einsatz bestimmter Lesestrategien hängt vom Text (Genre, Struktur, Sprache, Schwierigkeitsgrad etc.), vom Stand individuell erworbener, internalisierter Lesestrategien und von der Aufgabenstellung zur Texterschließung (Fokus) ab.
Ziel ist die Entwicklung einer bewussten Herangehensweise an den jeweiligen Text durch Aktivierung der erforderlichen (fach-) spezifischen Strategie.
Lesestrategien sind in allen Fächern wichtig - aber auch in jedem Fach unterschiedlich. Es gibt Strategien für methodisches Vorgehen und Strategien für Textsorten. Einige finden Sie hier. Unterrichtskonzepte zur Einführung der Lesestrategien finden Sie im Archiv.