Aktuelles

Newsletter vom Dezember 2023

Liebe Schulleitungen, liebe Lesecoaches,

nun ist sie wieder da, die Jahreszeit, in der wir uns gerne aufs Sofa kuscheln und zu einem gedruckten Buch oder dem E-Book greifen. Stellt sich Ihnen dann auch die Frage, welches Medium wohl das bessere ist?
Viele sind Verfechter des „echten Buches“, andere halten diese Auffassung für konservativ und rückwärtsgewandt. Aber gibt es in dieser Frage überhaupt ein besser oder schlechter? Wie wäre es mit einem „anders“?
Wichtig ist dabei zu unterscheiden, ob wir beim digitalen Lesen von einem E-Book oder dem Artikel im Internet sprechen, da die Leseintention jeweils eine andere ist. Lesen wir ein E-Book, lesen wir meistens Belletristik. Außerdem lesen wir lineal und chronologisch. Wenn wir im Internet Artikel lesen, lesen wir mit der Intention der Beschaffung von Informationen. Wir springen über Hyperlinks von Artikel zu Artikel, lesen nicht den ganzen Text, sondern überfliegen den Text auf der Suche nach wichtigen Information. Vergleichen wir also das digitale mit dem analogen Lesen, vergleichen wir eigentlich drei Leseverhalten miteinander, die nur bedingt mit einander vergleichbar sind. Aus diesem Grund wird dieser Newsletter auch etwas länger. Trotzdem hoffe ich, dass Sie Ihre Aufmerksamkeitsspanne halten und diesen digitalen Text linear lesen.
Wenn wir das Lesen des gedruckten Buches mit dem Lesen des E-Books miteinander vergleichen, fällt häufig auf, dass wir uns nur schlecht an den Titel des Buches erinnern, wenn wir es im E-Book gelesen haben – das ist klar, da wir immer automatisch zum Ende der bereits Gelesenen kommen. Wir sehen das Titelbild also sehr selten. Dies macht spontane Gespräche über Bücher manchmal schwierig.
Maryanne Wolf fand heraus, dass unsere emotionale Intelligenz bei einem analogen Buch stärker gefordert wird als bei einem digitalen. Die Partizipation mit einem Charakter ist bei einem gedruckten Buch deutlich größer. Man fühlt mehr mit und ist empathischer. Es wird vermutet, dass dies an der Haptik des Buches liegt. So wird zum Beispiel der chronologische Fortschritt gefühlt, wenn die rechte Seite des Buches leichter wird. Auch der Geruch und das Gefühl der Seiten könnten damit zusammenhängen. Wenn wir unsere Schülerinnen und Schüler also mit einem Charakter aus einer Erzählung mitfühlen lassen wollen, sollten wir unbedingt zu einem gedruckten Buch greifen.
Geht es um die Beschaffung von Informationen zeigen wir im Internet ein anderes Leseverhalten. Professor Dr. Mike Sandbothe sieht darin allerdings nur eine andere Form des Lesens. Während analoge Bücher sequentiell und linear gelesen werden, wird im Internet eher punktuell, selektiv und sprunghaft gelesen. Der Verfasser ist nicht mehr alleiniger Schöpfer und Bestimmer über Sinnzusammenhänge; „hypertextuelles Schreiben und Denken [vollzieht sich] in unmittelbarer Interaktion mit dem Schreiben und Denken anderer Menschen. (…) die Interaktionsmöglichkeiten sind unendlich.“ Dies birgt die Gefahr, sich zu verzetteln. Besonders Kinder, Jugendliche und digital Unerfahrene könnten hier nun von Hyperlink zu Hyperlink springen und dabei ihren eigentlichen Recherche-Auftrag und die bereits gesammelten Informationen vergessen. Dazu kommt, dass das Internet das Gefühl vermittelt, immer das nächste und das nächste tun zu müssen. „Das Netz ist das schwarze Loch unserer Gesellschaft, es verschlingt unsere Zeit“, so Maryanne Wolf. Das digitale Lesen verführe zu unkonzentrierter Informationssuche und untergrabe das selbstständige Denken, auch weil wir bei der Nutzung des Internets nur einen Teil unserer Hirnkapazität verwenden, während das Gehirn beim analogen Lesen deutlich aktiver ist.
Adriaan van der Weel, niederländischer Literaturwissenschaftler und Mitarbeiter der Wissenschaftsvereinigung E-Reads, ist ein Kämpfer für das gedruckte Buch und sieht die Schnelllebigkeit digitaler Texte problematisch. Sie sind schnell wieder gelöscht, geändert, an andere digitale Ort verschoben. Das gibt den Texten ein Gefühl von Beliebigkeit. Außerdem sei die Quelle der Information nicht immer eindeutig. Problematisch ist ebenfalls, dass sich auf den Bildschirmen auch die Sozialen Medien, Spiele und viele andere schnelle Verlockungen finden. Dies senke die Konzentrationsfähigkeit und verleite zu einem sprunghaften Leseverhalten. Er fordert, dass Kinder mit dem Lesen gedruckter Bücher beginnen sollten. Wenn sie eine gute Lesekompetenz und Konzentrationsfähigkeit entwickelt haben, könnten auch digitale Medien hinzukommen. Auch Wolf plädiert für einen Mittelweg. Die Fähigkeit Massen von Informationen aufzunehmen, diese zu priorisieren und zwischen ihnen zu navigieren werde verbessert, wenn man ebenfalls mit digitalen Texten umgehen könne. Uns steht ein großer Pool von nützlichen Informationen zur Verfügung, die wir jedoch nur verwenden können, wenn wir in der Lage sind die Tücken und Gefahren des Internets zu umschiffen.
2009 gab es eine Sonderauswertung der PISA-Studie „Lesen im elektronischen Zeitalter“. Hier wurde festgestellt, dass die Lesekompetenz unabhängig vom Trägermedium erworben wird. Verstanden die Schülerinnen und Schüler die gedruckten Werke gut, hatten sie auch keine Probleme mit digitalen Texten. Die Grenze scheint also nicht zwischen analog und digital zu verlaufen, sondern weiterhin zwischen Lesern und Nichtlesern. Wer gerne liest, liest gerne – egal ob es sich um ein analoges oder um ein digitales Medium handelt.
Die E-Texte sind nicht mehr wegzudenken. Sie sind da, sie werden bleiben. Ob diese Entwicklung gut, schlecht oder vielleicht einfach nur anders ist, können wir heute noch nicht sagen. Wir Lehrkräfte müssen jedoch unseren Schülerinnen und Schülern die nötigen Kompetenzen vermitteln, mit der neuen Form des Lesens umgehen zu können. Wir müssen unsere Schülerinnen und Schüler befähigen, mit digitalen und analogen Texten umzugehen. "Gerade weil das Lesen mit elektronischen Medien eine unabdingbare Voraussetzung für die Teilhabe an Bildungsangeboten, Arbeitsprozessen, Freizeitaktivitäten und anderen Lebensvollzügen ist, sind die Anforderungen an Lese- und Sprachkompetenz gewachsen und werden mit der noch zunehmenden Digitalisierung weiter ansteigen." Simone C. Ehmig, Lukas Heymann: Die Zukunft des Lesens, S. 256. In: Christine Grond-Rigler, Wolfgang Straub (Hg.): Literatur und Digitalisierung. De Gruyter, Berlin/Boston 2013.

Kommen Sie gut durch den Winter und genießen Sie die Weihnachtszeit!

Alles Gute wünschen

das Team von Lesen macht stark

und Levke Matzen

https://www.deutschlandfunkkultur.de/digitales-kontra-analoges-lesen-stellt-die-digitalisierung-100.html, 11.11.23

https://www.wirlesen.org/artikel/warum-lesen/lesen-sprache/lesen-medien/digitales-lesen, 11.11.23

https://www.sueddeutsche.de/wissen/hirnforschung-sorgen-sie-fuer-ein-haus-voller-buecher-1.976164-3, 11.11.23

https://www.sandbothe.net/38.html

 

Newsletter vom November 2023

Liebe Lesecoaches, liebe Schulleitungen,
die Zeit zwischen den Sommerferien und den Herbstferien war sehr kurz, jedoch nicht minder intensiv. Hoffentlich konnten Sie die Ferien gut nutzen und sich vielleicht sogar in südlich-sommerlichen Gefilden etwas erholen. Außerdem hoffen wir, dass Sie die stürmischen Tage gut überstanden haben.
 
Noch bis Weihnachten haben Sie die Möglichkeit die Lesekompetenz der fünften Klassen zu testen. Nutzen Sie Lernstand 5, jetzt auch in Papierform möglich, um die Diagnostik durchzuführen. Gerne unterstützen wir Sie persönlich oder am 13.11.23 in der Fortbildung zu Lernstand 5 Deutsch (online) 16-17 Uhr - LMS0138 - Diagnostik, Anschlussmaterial und Praxistipps.
 
In unserem LMS-Team hat sich etwas getan, denn wir konnten Gesa Gerlich gewinnen. Sie ist Lehrkraft an einer Gemeinschaftsschule in Schleswig-Holstein und qualifizierte Linkshänder-Beraterin nach Frank Steinkopf sowie Feinmotorik-Therapeutin nach Hauke Stehn. In Zukunft steht sie Ihnen gerne bei Fragen zum Thema Händigkeit zur Verfügung, indem sie Informationsveranstaltungen auch in Ihrer Schule abhält. Sie erklärt, warum es auch heute noch zu Umschulung der Händigkeit kommt und wie man dies vermeiden, bzw. erkennen kann. Außerdem gibt sie praktische Tipps zur entspannten Schreibhaltung, zur sinnvollen Einrichtung eines Arbeitsplatzes sowie zur Nutzung von Schulmaterialien und Alltagsgegenständen.
 
Hoffentlich gibt es in der kommenden Jahreszeit für Sie und Ihre Schülerinnen und Schüler wieder einmal Zeit, sich ein Buch zu schnappen und zu lesen. Buchtipps für Sie und Ihre Schülerinnen und Schüler finden Sie hier: https://www.bundesverband-lesefoerderung.de/lesen/buchtipps/ https://lass-mal-lesen.blog/jugendbuecher/ oder https://www.gaensefuesschen.de/.  Besuchen Sie doch auch mal wieder die örtliche Bücherei oder einen Buchladen. Hier findet bestimmt auch der letzte Lesemuffel etwas zum Schmökern.
 
KI ist in aller Munde, aber haben Sie schon mit ChatGPT oder anderen KI gearbeitet? Tatsächlich kann sie einem hier und da auch den Unterricht erleichtern, zum Beispiel, wenn einem ein passender Text fehlt. Bitten Sie doch einfach mal die KI, einen Text über ein bestimmtes Thema zu schreiben. Diesen können Sie dann noch abwandeln lassen, so dass der Text moderner, kürzer ist oder möglichst viel wörtliche Rede enthält. Aber prüfen Sie das Ergebnis der KI immer, denn sie weiß auch nur das, womit sie gefüttert worden ist und ist nicht frei von allem Geschwurbel, das man auch so im Internet finden kann. Aber die besten Texte finden Sie natürlich immer noch im Login-Bereich der LMS-Seite. Eine Fortbildung mit diesem Inhalt findet im nächsten Jahr am 02.05.2024 statt.
 
Folgende Veranstaltungen finden außerdem in Kürze statt: Lernstand 5 Deutsch - Auswertung, Anschlussmaterial und Praxistipps am 13.11.23 (LMS0138) und Erstellen digitaler Leseübungen am 07.12.23 (LMS0163). Melden Sie sich gerne über formix an. Unsere aktuellen Termine finden Sie auch auf unserer Homepage. In der Rubrik Fortbildung/Termine auf unserer Homepage finden Sie immer die aktuellen Veranstaltungen.
 
Wir wünschen Ihnen einen guten Jahresendspurt!
 
Ihr Lesen macht stark Team
 

Newsletter vom September 2023

Liebe Lesecoaches, liebe Schulleitungen,

besonders überraschend sind die Ergebnisse des Bildungsmonitors 2022 des Instituts der deutschen Wirtschaft nicht. Schleswig-Holstein belegt wie im Vorjahr Platz 9 im Vergleich zu den anderen 16 Bundesländern. In unserem Bundesland scheint schon eine Sache richtig gut zu laufen, denn im Lese- und Hörverstehen schneiden wir besser ab als die Kinder in manch anderem Bundesland (Quelle: Flensburger Tageblatt vom 31.08.23). Und das liegt an Ihrer tollen Arbeit mit dem Programm „Lesen macht stark“.
  
Wissen Sie schon, wie Sie die Diagnostik im 5. Jahrgang gestalten wollen? Nutzen Sie doch einfach Lernstand 5 Deutsch und Mathematik auf der LeOniE.SH-Plattform! Dieses Diagnostik-Werkzeug bietet Ihnen die Möglichkeit einer schnellen Auswertung und Anschluss-Material, das Sie passgenau differenziert für Ihre Schülerinnen und Schüler verwenden können.
Ein Webinar zum Thema „Lernstandserhebungen mit LeOniE.SH – Einführung“ bietet Nadja Einhaus unter QSE0125 an und wird Lernstand 5 als Beispiel nutzen. Sie hat Lernstand 5 für LeOniE erstellt und weiß auf fast alle technischen Fragen eine User-kompatible-Antwort.  
Für das Schuljahr 2023/24 wird es nun außerdem noch eine Papierversion als Download geben, mit der Sie auch offline teilnehmen können. Diese finden Sie ebenfalls unter LeOniE.SH.
  
Liebe Lesecoaches, Ihre Arbeit ist wichtiger denn je. Lesen und Mathe macht stark ist nun voll im Trend und wird als evaluiertes Programm von allen Seiten empfohlen. Ihre Motivation erkennen wir auch an dem Bedarf an Material und Ihren Nachfragen zum Thema Lesen, den Netzwerken, Hospitationen und anderen Fortbildungen. Danke, dass Sie unsere Materialien fleißig bestellt haben. Da die Nachfrage sehr groß ist, bitten wir Sie um Geduld – das Material ist bestimmt bald auf dem Weg zu Ihnen.

Auch auf unserer Homepage tut sich was! Wir sortieren die Materialien neu, so dass Sie die Texte vor 2019 im Laufe des nächsten Schuljahres im Ordner „Texte-Archiv“ finden werden. Alle neuen und überarbeiteten Texte finden Sie dann in neuen Ordnern. Die Texte von Nicole Koestlmaier für die Förderung der sehr Schwachen, werden zurzeit erprobt und stehen Ihnen bald zur Verfügung. Sie haben ein Wunsch-Thema für einen Text? Dann her damit!  

Schon mal vorab wollen wir Sie gerne auf den diesjährigen Vorlesetag am 17. November 2023 hinweisen. Unter dem Motto „Vorlesen verbindet“ machen die Initiatorinnen und Initiatoren des Vorlesetages – DIE ZEIT, Stiftung Lesen und die Deutsche Bahn Stiftung – gemeinsam mit vielen tausend Vorlesenden und Zuhörenden darauf aufmerksam, wie wichtig Vorlesen für die Entwicklung von Kindern ist. Hier können Sie sich und Ihre Klasse anmelden.
Das Schulportal der Stiftung Lesen hält auf seiner Internetseite Impulse und Unterrichtsideen zum Thema Filmbildung bereit. Sie interessieren sich für methodisch-didaktischen Filmhefte zu ausgewählten Kinohighlights oder zu Filmklassikern für verschiedene Klassenstufen? Hier können Sie gezielt nach aktuellen und für Ihren Unterricht relevanten Themen suchen. Außerdem finden Sie hier auch zahlreiche Leseempfehlungen, Medientipps und Aktionsideen – für Kinder und Jugendliche und zu allen möglichen Themen.
  
Halten Sie schon mal Ausschau nach unseren Webinaren und Fortbildungen! Das Netzwerk-Treffen für die Schulleitungen findet am 27.09.23 online statt. Die Netzwerktreffen für die Lesecoaches finden am 15.11.23 (Veranstaltungsnr LMS0166) online, am 28.02.24 in Präsenz und am 14.03. online statt. Wenn Sie Beratungen oder anderen Bedarf haben, melden Sie sich gerne bei uns.
Im nächsten Newsletter, der im Oktober erscheinen wird, werden wir Sie über weitere Termine informieren.
  
Wir wünschen Ihnen einen guten Start ins Schuljahr 2023/24!
  
Ihr Lesen macht stark Team