„Niemanden zurück lassen - Lesen macht stark“ Das Projekt in Schleswig-Holstein zur Förderung der Lesekompetenz

"Lesen macht stark" ist das Projekt zur Förderung der Lesekompetenz von Schülerinnen und Schülern im Rahmen von "Niemanden Zurücklassen" in Schleswig- Holstein. Ziel des Projektes ist die deutliche Reduzierung der Risikogruppe der leseschwachen Schülerinnen und Schüler. Um dieses Ziel zu erreichen wurden konzeptionell mehrere Bausteine entwickelt:

  • Material für Lehrkräfte, Schulleitungen und Lesecoaches -Arbeitsheft, Lesemappe, Projektmaterial, digitale Lesematerialien, Newsletter
  • Fortbildungsangebote für Lehrkräfte
  • Fortbildungsangebot zum Erhalt des Zertifikats „Lesecoach“
  • Lernstandserhebungen und diagnostische Mittel zur Überprüfung der Lesekompetenz

Die wissenschaftliche Begleitung und Evaluation erfolgte durch Dr. Gesa Ramm (IQSH), Prof. Dr. Olaf Köller (IPN, ehemals IQB), Prof. Dr. Jens Möller (CAU zu Kiel). Die Leitung und Steuerung des Projekts "Niemanden zurücklassen - Lesen macht stark" erfolgt unter der Federführung von Dr. Gesa Ramm (Direktor des IQSH) sowie durch das Projektleitungsteam im Institut für Qualitätsentwicklung an Schulen in Schleswig-Holstein: Petra Fojut, Abteilungsleiterin der Abteilung Fort- und Weiterbildung und Christiane Hüttmann, „Lesen macht stark“ und DaZ und Pädagogik. Im Schuljahr 2006/07 startete das Projekt zur Förderung der Lesekompetenz "Niemanden zurücklassen - Lesen macht stark" mit 50 Schulen, inzwischen nehmen rund 200 Schulen am Projekt teil. Seit dem Schuljahr 2009/2010 wurde an vielen weiterführenden Schulen in Schleswig-Holstein eine Teilnahme mit ihren fünften bis zehnten Klassen ermöglicht. Das Material des Projektes wird seit 2019 durch das Team „Lesen macht stark -Materialüberarbeitung“ des IQSH überarbeitet und angepasst.

Warum ein Projekt zur Leseförderung? PISA definiert „die Lesekompetenz als die Fähigkeit einer Person, geschriebene Texte zu verstehen, zu nutzen und über sie zu reflektieren sowie bereit zu sein, sich mit ihnen auseinanderzusetzen, um eigene Ziele zu erreichen, eigenes Wissen und Potenzial zu entwickeln und an der Gesellschaft teilzuhaben.“ Damit gilt die Lesekompetenz als besonders wichtige Basiskompetenz für alle Bereiche des Lebens – vor und nach der Schule. Laut PISA gibt es einen hohen Anteil leseschwacher Jugendlicher im Bereich der Sekundarstufe 1, der im Vergleich zu 2009 und 2015 bedeutsam angestiegen ist. Genau diese Schülerinnen und Schüler sollen durch das Projekt „Niemanden zurücklassen – Lesen macht stark“ ihre Lesekompetenz erhöhen und somit bessere Chancen haben, einen Schulabschluss zu erlangen und ihr Leben selbstbestimmt verwirklichen zu können. Schleswig-Holstein beteiligt sich in den Strukturen von „Niemanden zurücklassen – Lesen macht stark“ am bundesweiten Programm „Bildung durch Sprache und Schrift“. Das Programm hat das Ziel, ein- und mehrsprachige Kinder und Jugendliche in ihrer sprachlichen Entwicklung bis zum Schulabschluss optimal zu unterstützen. Dabei liegt der Fokus insbesondere auf der Leseförderung und der Entwicklung der Bildungssprache.- BiSS

Die Lesekompetenz gilt als Basiskompetenz für alle Bereiche des Lebens. Sie ist untrennbar mit kommunikativer Kompetenz verbunden und ist zudem die zentrale Voraussetzung für den Erwerb vieler anderer Kompetenzen. Ausreichende Lesekompetenz ist weiterhin Voraussetzung für erfolgreiche Bewerbungen und eine zentrale Bedingung der Ausbildungsfähigkeit. Sie ist unerlässlich für die Teilhabe am demokratischen Prozess.
In den PISA-Studien wurde festgestellt, dass etwa ein Viertel der Schülerinnen und Schüler in Schleswig-Holstein nicht über ausreichende Basisfertigkeiten im Lesen verfügen (Baumert et al. 2002, Prenzel et al. 2005). Insbesondere Schülerinnen und Schüler, die den Abschluss der Berufsbildungsreife anstreben, weisen eine Lesekompetenz auf, die nicht über die Stufe I hinausgeht (Mittelwert 384 Punkte, PISA 2003).

Grundannahme im Projekt „Niemanden zurücklassen – Lesen macht stark“ ist, dass die Zielerreichung davon abhängt, ob eine Schule durch die Schulleitung professionell geführt wird. Professionalisierung im Sinne zielorientierter, systematischer und reflexiver Arbeit bedeutet im Kontext des Projekts, dass die Schulleitungen kontinuierlich die Lehrkräfte unterstützen. Um Projektziele und -inhalte zu kommunizieren und die Schulgemeinschaft für diese Ziele zu gewinnen, ist eine Ist-Analyse der Lesekompetenz der Schülerinnen und Schüler mit Hilfe der vorgesehenen Verfahren vorzunehmen, einen Praxisfahrplan zur individuellen Förderung der Schülerinnen und Schüler sowie zur Weiterentwicklung des Unterrichts gemeinsam mit der Schulgemeinschaft zu entwickeln. Diese Umsetzungsschritte und die Wirkung der Maßnahmen müssen beobachtet und evaluiert werden.

In Zusammenarbeit mit dem Cornelsen Verlag wurden Projektmaterialien entwickelt, die den schleswig-holsteinischen Schulen zur Verfügung gestellt werden: Die Schülerinnen und Schüler erhalten z.B. Arbeitshefte, Lesemappen, oder Lehrkräfte stellen digitales Material zur Verfügung, so dass eine individualisierte und differenzierte Entwicklung der Lesekompetenz in heterogenen Lerngruppen ermöglicht wird.